Bank ist nicht gleich Bank. Oder doch? 2016

Als ich meinen Girokonto Test startete, schwirrte mir schon nach kurzer Zeit der Kopf. Denn ich brauchte ja meinen Masterplan, damit der Test auch wirklich ein für alle brauchbares Ergebnis ausspuckt. Aber um vergleichen zu können, braucht es einen gemeinsamen Nenner. Das war in meinem Test das Girokonto. Doch ich brauchte noch einen anderen Faktor, denn Bank ist nicht gleich Bank. Es gibt Genossenschaften, Banken, Privatbanken, Filialbanken, Direktbanken, Sparkassen und noch einige mehr. Interessant ist das vor allem in Hinblick auf die Kosten für mich als Kunden. Denn die Wahl der Bank wirkt sich unmittelbar auf Kontoführungsgebühren, Kreditkosten und Zinsen aus.

 

Die „Bank“ als Oberbegriff

Ich habe festgestellt, dass wenn jemand von „der Bank“ spricht, immer ein Geldinstitut gemeint ist, bei dem man Geld abheben oder einzahlen kann. Hier werden Überweisungen vorgenommen und Kredite aufgenommen. Kurzum: Es geht hier darum, sein Geld aufzuheben und sozusagen zu verwalten. Egal ob Privatbank, Sparkasse oder Genossenschaft, bei allen ist die Führung eines Girokontos theoretisch möglich. Aber außer der Sparkasse muss mich keine Bank als Kunde akzeptieren. Selbst bei der Sparkasse hängt es vom jeweiligen Bundesland ab, ob „die Bank“ mich ablehnen kann oder nicht.

 

Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Anstalten

Wenn ich in meinem privaten Freundes- und Bekanntenkreis davon berichte, dass Sparkassen im Besitz der jeweiligen Bundesländer stehen, sehe ich häufig in fragende Gesichter. Wenn ich dann noch erzähle, dass es sogar acht Landesbanken gibt, werden die Gesichter noch länger. Irgendwie scheint jeder zu glauben, dass Banken im Privateigentum stehen oder ein eigenständiges Unternehmen sind. Doch weit gefehlt. Die Sparkasse wurde auch deswegen gegründet, damit jeder – wirklich jeder – ein Girokonto bekommt. So ist es zum Teil auch noch heute. Jedenfalls in den Bundesländern:
Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es laut Sparkassengesetz eine Verpflichtung dazu.

 

Das Kreditinstitut – hier gibt´s den Kredit für’s Häuschen.

Unter dem Oberbegriff Banken fallen auch die Kreditinstitute. Das Wort wird manchmal stellvertretend für Bank verwendet. In aller Regel ist eine Bank tatsächlich auch ein Kreditinstitut. Doch es gibt Einrichtungen, die nur Kredite vergeben und darüber hinaus keine Girokonten, Versicherungen oder Sparbücher in der Produktpallette haben. Diese Erfahrung machte ich, als wir vor ein paar Jahren eine Eigentumswohnung kaufen wollten. Von einem Freund bekam ich den Tipp, es mal bei der KFW zu versuchen. Beim sogenannten Hessendarlehen gab es Kredite zu geringeren Sätzen als bei der Hausbank. Der KFW-Kredit wird von den jeweiligen Landesbanken vergeben. Auch die Bausparkassen sind reine Kreditinstitute. Hier wird zwar gespart, jedoch mit dem eigentlichen Ziel, ein vergünstigtes Darlehen auf die angesparte Suppe zu erlangen. Wir haben uns damals übrigens gegen die Eigentumswohnung entschieden. Es passte einfach nicht. Am Kreditinstitut lag es allerdings nicht.

 

Dividenden, was ist denn das bitte?

Sie können sich vorstellen, dass ich als Finanzexperte, zumindest berufsbedingt, auf Partys nicht der beliebteste Gesprächspartner bin. Wenn es bei neuen Bekanntschaften auf Feiern auf den Punkt: „Und was machst du so beruflich?“ kommt, bekomme ich in der Regel auf meine Antwort ein: „Ah, spannend. Ich muss mir mal kurz was zu essen holen. Das sieht alles so lecker aus.“, zu hören. In der Regel wird mein Finanzwissen erst dann interessant, wenn ein Freund etwas hört, das er nicht sofort zuordnen kann. So auch neulich als mich ein alter Schulkamerad anrief. Er habe einen Brief seiner Genossenschaftsbank bekommen. Ihm stünden Dividenden zu. Was das denn sei, wollte er wissen. Hier muss ich vielleicht erstmal erklären, dass mein Schulfreund eigentlich eine Stadtpflanze ist und beruflich nun zum Landei wurde. Auf dem Land, so ist es nach wie vor, gibt es banktechnisch nicht viel Auswahl. Die Sparkasse und die Volks- und Raiffeisenbanken haben hier ihr Monopol. Der Dorfmensch jenseits der 50 hat noch nie was von Direktbanken gehört, ärgert sich weiter über steigende Kontoführungsgebühren und bleibt seiner Filialbank dennoch treu. Die Volks- und Raiffeisenbank fällt, wie auch einige wenige andere Banken, unter die Genossenschaftsbank. Hier kann jeder zum Aktionär werden und einen kleinen Teil der Bank durch Genossenschaftsanteile kaufen. Am Ende des Geschäftsjahres wird dem Anteilseigner eine Dividende ausgezahlt. Oft ist die Höhe schon beim Kauf festgeschrieben. In seltenen Fällen gibt’s die Dividende in der durch den Vorstand vorgeschlagenen Höhe.

 

Die Privatbank – nicht nur was für richtig reiche

Beim Wort „Privatbank“ schwingt bei mir, trotz besseren Wissens, immer ein Gefühl von Reichtum und Glamour mit. Ich fürchte, das sagt mehr über meinen Filmgeschmack aus, als mir lieb ist. Tatsächlich gibt es die Privatbank auch in Form eines kleinen Bankiers. Das ist jemand, dessen Familie so viel Geld hat, dass sie es sogar verleihen und damit vermehren. Im Grunde ist die Deutsche Bank, die Hypo-Vereinsbank oder auch die Commerzbank schon eine Privatbank. Häufig bieten auch Privatbanken die gesamte Palette der Bankleistungen an. Noch häufiger sind diese ganzen Privatbanken unter der Hand miteinander verwoben. Hat meist was von „linke Hosentasche, rechte Hosentasche“. Auch Direktbanken sind häufig Privatbanken, zum Beispiel die ING-DiBa, mein Testsieger bei den Girokonten, ist eine solche Privatbank. Da die ING-DiBa die gesamte Produktpalette anbietet, gehört sie auch gleichzeitig zu den Universalbanken.

 

Der größte Unterschied zwischen Privatbanken mit Filiale und Direktbanken liegt darin, dass auf Filialen verzichtet wird. Da dies der größte Kostenfaktor einer Bank ist, können Direktbanken mit geringeren Zinssätzen werben. Kreditverträge werden online abgeschlossen. Auch Kontoführungsgebühren sind bei Direktbanken unüblich.

 

Fazit: Nicht die Kategorie entscheidet über die Kosten für mich als Kunden.

Im Grunde spielt es für die Kosten keine Rolle, ob es sich um eine Bank, eine Sparkasse, eine Privatbank oder eine Genossenschaftsbank mit Dividenden handelt. Entscheidend ist, ob es eine Filialbank ist oder nicht. Diese hat sicherlich auch Vorteile, doch die besseren Konditionen haben Privatbanken im Direktvertrieb. So verwundert es nicht, dass bei meinem Girokonto Test die ING-DiBa mein absoluter Testsieger wurde.

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