Ein kostenloses Girokonto bedeutet nicht unbedingt, dass es kostenlos ist 2016

Als vor ein paar Jahren die Direktbanken aus dem Boden schossen, war ich zunächst skeptisch. Ist mein Geld auch wirklich sicher und wen schnauze ich an, wenn´s mal blöd läuft? Meine Neugier siegte dann aber doch. Zu verlockend waren die damaligen Angebote. Wie sich herausstellte, auch noch heute. Selbst klassische Filialbanken haben erkannt, dass das Argument „gebührenfreies Konto“ immer mehr zieht. Wen wundert es da also, dass diese inzwischen Tochtergesellschaften gegründet haben, um auch auf diesem Markt nach Neukunden zu angeln?

 

Den Skeptiker in mir haben diese Angebote aber dennoch nicht beruhigen können. Denn, wie ich recht schnell persönlich erfahren konnte, ein Girokonto ohne Gebühren sein Eigen nennen zu können, bedeutet leider nicht zwangsläufig, nichts dafür bezahlen zu müssen. Auch während meines zweijährigen Girokontotests habe ich diese Erfahrung mehrfach machen dürfen. Oft lauern nach der angeblich kostenfreien Girokontoeröffnung versteckte Kosten. Für mich aber bedeutet ein kostenloses Konto zu haben, auch wirklich nichts zahlen zu müssen. Damit Ihnen das nicht selbst passiert, hier eine kleine Zusammenstellung der Fallen, die auf Sie lauern können.

 

Mein Fallen-Favorit: ein kostenloses Konto mit Mindestgeldeingang

In meinem Test fand ich Eines schnell heraus. Geworben wurde mit dem kostenlosen Konto. Bekommen habe ich nur eines, wenn mein Gehalt jeden Monat darauf eingegangen ist. Einige Banken gehen hier sogar noch einen Schritt weiter. Ein Konto bleibt nur so lange kostenlos, so lange ein bestimmter Betrag fest auf dem Konto eingeht. Dabei zählen eigene Überweisungen in der Regel nicht. Hier muss es schon ein Gehalt, die Rente oder das BAföG sein. Aber Vorsicht, bei sogenannten Gehaltskonten zählt tatsächlich nur das Gehalt. Rentner, Studis oder Arbeitssuchende, selbst wenn genug Geld hereinfließen würde, müssten Kontoführungsgebühren entrichten.

 

Mein Tipp: Schauen Sie genau hin. Meist gibt es irgendwo zum Fettgedruckten noch ein oder mehrere „Sternchen*“. Ganz weit unten folgt dann der Vermerk, unter welchen Bedingungen das Konto wirklich kostenfrei ist. Einzig, wenn die Bank mit einem „bedingungslos kostenlos“ wirbt, können Sie davon ausgehen, dass es das auch wirklich ist.

 

Das Girokonto ist kostenlos, aber: Jede Überweisung kostet den Betrag x

Sehr schön fand ich auch mein Konto bei der Postbank. „Schön“ allerdings mehr im Sinne von lehrreich. Denn als Gehaltskonto war es tatsächlich kostenlos. Auch eine Wechselprämie bekam ich. Doch dann sah ich auf meinen Kontoauszügen einen Rechnungsposten für Überweisungen. Obwohl ich ausschließlich das Onlinebanking genutzt hatte, wollten die doch tatsächlich Geld dafür haben. Das Konto habe ich dann recht zügig wieder gekündigt. Diese Praxis verwendet allerdings nicht nur die Postbank. Viele Banken, vor allem Filialbanken, erheben solche und ähnliche Gebühren. Mein Rat: genau hinsehen und prüfen. Sollten nachträglich solche Gebühren erhoben werden, kündigen und zu einem wirklich kostenlosen Konto wechseln.

 

„Gerne eröffnen wir Ihnen ein kostenloses Girokonto. Natürlich mit einem Dispositionsrahmen.“

Aha-Erlebnisse lieferten mir in meinem Test auch solche Konten, die zwar tatsächlich, ganz ohne Hintertürchen, kostenlos waren. Hellhörig wurde ich dann jedoch immer, wenn mir zu der Wechselprämie und weiterem Schnick-Schnack, nur um zu unterschreiben, ein Disporahmen von Seiten der Bank angetragen wurde. Hier sollte ich vielleicht erwähnen, ich bin ein alter Spießer. Ich hatte bis vor wenigen Jahren nie einen Disporahmen. Davor graute es mir, hatte ich als Journalist im Finanzsektor schon viel zu oft gehört, wie solch ein Disporahmen Existenzen zerstörte. Vor allem, wenn das monatliche Budget eher knapp wird, ist es sehr verlockend, einen Dispo zu haben und damit Finanzlöcher zu stopfen. Wird solch ein Rahmen in ungewöhnlich hohem Umfang freimütig angeboten, steckt meist Eines dahinter: ein Wucherzins. Wie der Spiegel berichtete, fand „Finanztest“ heraus, dass der Dispo bei einigen Banken bei mehr als 13% liegt. Sogenannte Testkunden fanden sogar Dispos von gut 18%. Hier lohnt sich Nachschauen und Nachfragen wirklich. Denn so wird ein kostenloses Konto schnell zum Geldgrab.

 

„Bitte sehr, eine Kreditkarte.“ Wie praktisch! Aber Vorsicht: Kartengebühren lauern überall

Kreditkarten waren und sind ein gutes Mittel, um fehlende Kontogebühren doch noch einzutreiben. Vor allem, wenn Kreditkarten zum Girokonto einfach so angeboten werden, sollten Sie das Kleingedruckte lesen. Entweder kostet die Kreditkarte direkt eine Kartengebühr oder aber sie wird spätestens nach einem Jahr fällig. Ausnahmen gibt es dennoch. Bietet eine Direktbank eine Kreditkarte an, um damit kostenlos Geld abzuheben, dann kostet diese in der Regel nichts. Dennoch ist hier Vorsicht geboten. Mehr zum Thema Kreditkarten erfahren Sie in meinem Test dazu.

 

Ein kostenloses Girokonto, bis ich Geld abheben wollte

Während meines Studiums arbeitete ich eine Zeit lang als DJ bei einem mobilen DJ-Service. Wir tingelten so durch das Land, vorwiegend auf Dorffesten herum. Was soll ich sagen: Ich war jung und brauchte das Geld. Außerdem war ich Star der Nacht und bekam nicht nur Musikwünsche zugesteckt. Bezahlt wurde ich jeweils noch in der Nacht. Nicht unüblich in diesem Job. Damit mein Girokonto aber dennoch genügend Geld auswies, damit Überweisungen nicht platzten, musste ich regelmäßig Geld einzahlen. Als ich das zum ersten Mal tun wollte, stand ich erst minutenlang – müde – am Schalter und wartete, bis ein paar Kinder ihr Geld aus dem Sparschwein eingezahlt hatten. Selbst schuld, wer geht auch schon am Weltspartag zum Geldeinzahlen in die Bank! Nun gut, als ich endlich dran war, wollte ich einfach nur noch ins Bett. Also knallte ich das Geld auf den Tresen, ließ es zählen, unterschrieb und ging. Ein paar Tage später sah ich dann auf der Überweisung, dass von meinem hart erspielten Geld etwas fehlte. Ich also zurück in die Bank und siehe da: Es hatte alles seine Richtigkeit. Was mir nicht klar war, eine Einzahlung am Schalter kostete eine Gebühr. Hätte ich die AGB´s der Bank gelesen, hätte ich das gewusst. Aber – wer liest sich denn sowas durch?

 

Die Moral von der Geschichte? Ein wenig Fleißarbeit bei der Kontoeröffnung spart Geld. Denn wenn Einzahlungen am Schalter oder Auszahlungen an fremden Automaten gebührenpflichtig sind, sollten Sie sich genau überlegen, ob es wirklich dieses kostenlose Konto werden soll. Denn es ist nicht wirklich kostenlos. Es kostet nur keine Kontoführungsgebühren.

 

Fazit: Ein gebührenfreies Konto ist nicht immer auch ein gratis-Girokonto

Ein gebührenfreies Girokonto kann dennoch ganz schön viel Geld kosten. Vergleichen Sie daher nicht nur, wie hoch eine Prämie ausfällt. Machen Sie einen Kontoführungsgebühren-Vergleich. Schauen Sie auf das Preisverzeichnis und in die AGB´s. Nur so entdecken Sie die versteckten Kosten. Denn diese, so meine Erfahrung, summieren sich mit der Zeit.

 

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